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Film und Neue Musik

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Aber an diesen Fragen hängen sich die Autoren nicht auf. Beide stammen ihrer musikalischen Sozialisation nach aus dem Schönberg-Kreis. Beide haben komponiert. Eisler hatte zudem viele Erfahrungen als Komponist von Filmmusik gesammelt.

Mit besonderem Anliegen verfolgen die Autoren die Spuren der neuen Musik in der Geschichte des Films. Schwer zu entscheiden, ob die vielen dissonanten Klänge und Farben ohne die Entwicklung der neuen Musik zu begreifen wären.

Neue Charaktere, Ausdrucksgesten, dramaturgisch motivierte Übertreibungen und scharfe Kontrastbildungen sind nichts Ungewöhnliches mehr, drängen sich geradezu dem „technischen Prinzip des jähen Bildwechsels" (S. 46) auf. Kein Horrorfilm und kein Cartoon kommt ohne sie aus. Jedoch hat das nicht zu einem besseren Verständnis der neuen Musik als solcher geführt.

„Alle eigentlich Neue Musik nach Strauss ist esoterisch geblieben", schreiben Eisler und Adorno (S. 60). Man kann vielleicht sogar soweit gehen, die Annahme nicht unbegründet erscheinen zu lassen, daß die real exisitierende Filmmusik die Abspaltung der neuen Musik vom breiten Publikum erst richtig zementiert hat.

Mit den Filmen sickert „konventionelle" Musik nicht nur ein in das Bewußtsein einer jetzt nicht mehr so kleinen bürgerlichen Konzertgemeinde, sondern erfaßt ein massenhaftes Publikum. Zugleich tritt ein weiteres Phänomen auf: Neue Musik wird in breiten Schichten vornehmlich visuell wahrgenommen.

Unmittelbar springen die Erfahrungen des Kinobesuchs auf die Wahrnehmungsweisen Neuer Musik über. Musik wird so zum Bildton. Daß dies einer ungehinderten Rezeption neuer Musik nicht gerade förderlich sein kann, leuchtet ein. Ähnliche Phänomene beobachtete Adorno im Rahmen des „Radio Research Projects".

Die Produktionsweise von Filmmusik und „autonomer Musik" unterscheidet sich so stark, daß die Autoren sagen können: „In Wahrheit geht kein ernsthafter Komponist aus anderen als materiellen Gründen zum Film" (S. 59). Stattdessen entwickelt sich die Spezies „Filmmusikkomponist", neuerdings sprachlich auch als „Sounddesigner" auftrumpfend.

© Martin Hufner

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