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Micky Mousing
der Trick mit der Maus

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Charlie Chaplin ist sicherlich jedem ein Begriff. Er war ein begnadeter Schauspieler und Komödiant, der durch sein intensives Spiel viele Generationen von Menschen glücklich machte. Aber was genau machte ihn so lustig?

Einerseits war Chaplin selbst in der Figur des Streuners erstaunlich lustig, der Bowler, der kecke Schnauzer, die viel zu großen Schuhe und sein watscheliger Gang, all das trug zu seinem Image bei. Andererseits war aber auch die Musik, die seine Handlung begleitete, und bei heutigen Aufführungen vom Band gespielt wird, sehr wichtig.

Sie illustriert geradezu seine Bewegungen, es macht „DOING“, wenn er hinfällt und „KRACKS“, wenn er es schafft durch eine Wand zu brechen. Da die meisten seiner Filme aus der Stummfilm- Ära stammen, mußte die Musik gleichwohl die Funktion der Sprache und deren Emotionen übernehmen. Neu ist dieses Illustrieren nicht.

Disney hatte das schließlich mit seinen Zeichentrickfilmen eingeführt(( daher Mickey Mousing), aber bei Chaplin- Filmen ist es besonders gut gelungen, weil die Musik auch die Veranschaulichung der Bewegung der Menschen vorführte.

Heute steht man diesem Mickey Mousing eher skeptisch gegenüber, da diese Art der Lautmalerei völlig überholt scheint. Aber auch wenn es verpönt ist, wird dieses Stilmittel heute noch von einem Filmmusikkomponisten verwendet. Wenn eine Szene schauspielerisch nicht ergiebig genug ist und zuwenig aussagt, ist mit dem Illustrieren eines kleinen Momentes schon viel verbessert.

Man kann kleine Bewegungen illustrieren um z. B. ein Zusammenzucken oder Zittern besser sichtbar zu machen aber natürlich ist es auch möglich große überzeugender wirken zu lassen.

In „Star Wars- Krieg der Sterne“ gibt es eine Szene, in der Han Solo (er gehört zu den Guten) bei der Flucht aus dem Todesstern (gehört zu den Bösen) plötzlich 15 Stormtroopers (Böse) gegenüber steht. Solo zieht seine Waffe und rennt schreiend auf die Trooper zu—und die flüchten vor ihm! Am Ende des Ganges sehen sie, dass es 15:1 steht und jagen ihn.

Ist die Szene für mich an sich schon lustig, die Musik macht sie in meinen Augen genial, denn sie läuft sozusagen mit Solo mit und macht ihn im Moment stark, dann reißt sie ab, genau dann, als die Troopers merken, dass sie eigentlich viel mehr sind. Erst später setzt die Musik wieder ein und scheint fast ein bißchen schneller als der Gejagte zu sein.

Heute möchte man allzu auffällige Illustration vermeiden, eigentlich wird sie nur noch bei Slapstick- Szenen verwendet. Eine Zeit lang versuchte man sämtliches Illustrieren aus der Musik zu vertreiben, doch heutzutage wird es wieder viel verwendet, denn dadurch, dass die Filme immer schneller werden, bildet die Musik einen letzten Anhaltspunkt für die Wahrnehmung.

Der Hongkongfilm und besonders jene Filme, die bei uns allgemein als Karatefilme geführt werden, sind sehr auf diese Art der Filmmusik angewiesen.

Mit der Öffnung des Marktes (1995) ist der Hongkongfilm auch interessanter für Hollywood geworden, eine Anpassung beiderseits hat sich filmtechnisch und musikalisch vollzogen. „Matrix“ (1999, Don Davis) ist der erste wirklich gelungene Film dieser Gattung der letzen Jahre. Durch den enormen Erfolg Filme dieser Art denke ich, dass Mickey Mousing wieder mehr im Kommen ist.

Zusammenfassend gibt es drei Varianten des Mickey Mousing, nämlich Auf- und Abwärtsbewegungen die mit dem Auf und Ab der Musik gleichzusetzen sind, dann Bewegungsabläufe rhythmische Art, wie Fluchtszenen und Autorennen und noch die klassische Art wie Tom & Jerry oder Bugs Bunny.

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